
Eine Reise in den Amazonas – Part III: FINCA LAS PIEDRAS
Dieser Artikel ist die Fortsetzung von Eine Reise in den Amazonas – Part II: SOQTAPATA und Eine Reise in den Amazonas – Part I: CUSCO.
Tag 5 – Reise nach Finca Las Piedras
Heute stehen wir in Soqtapata wieder um 5 Uhr auf. Nach einem schnellen Frühstück heißt es sich wieder von Rafael und Ana zu verabschieden. Dann geht es wieder 3km zu Fuß bis zur Hauptstraße, wo unsere beiden Busse auf uns warten, um die 6-stündige Fahrt nach Finca Las Piedras auf uns zu nehmen.
Direkt zu Beginn der Fahrt wurde mir sehr schlecht, nicht nur wegen der vielen Kurven, sondern auch wegen dem ganzen Gerede im Wagen. Irgendwie hängen ja die Ohren mit Gleichgewichtssinn zusammen, also ist es wahrscheinlich irgendwo logisch. Als ich dann kurz vor dem Kotzen war, haben wir meinetwegen angehalten. Auf der weiteren Fahrt durfte ich dann vorne direkt neben dem Fahrer sitzen und zu meinem Glück durfte ich dort bis zur Ankunft sitzenbleiben, auch als mir eigentlich schon viel besser ging.


Nach kurzer Zeit machen wir einen Halt an der Stelle, wo wir von der Region Cusco in die Region Madre de Dios fahren. Die Landschaft hat schon einiges zu bieten.

Nach einer gewissen Zeit und noch mehr Höhenmeter runter in den Amazonasbecken halten wir dann in der Kleinstadt Mazuko an. Amazonas-Städte sind wirklich nicht meins – zu dreckig und laut, auch wenn diese Stadt innerhalb unserer halbstündigen Fahrtpause ihr bestes gegeben hat.

Jetzt wo wir im Flachland sind geht es nur noch gerade aus und durch den berüchtigten Ort, La Pampa, der vor allem für eins bekannt ist: illegaler Goldabbau. Es ist wohl einer der größten Menschheitsverbrechen an die Natur weltweit, denn die Auswirkungen sind selbst auf Satellitenbildern gut zu erkennen: eine weite, sich immer weiter ausbreitende von Quecksilber versiffte Fläche, wo kein Leben mehr möglich ist und, stand heute, auch in Zukunft nicht mehr möglich sein wird. Jeder Mensch, jedes Lebewesen, was in dieser Umgebung lebt, hat giftiges Quecksilber im Blut, weit über die Höchstgrenze. Quecksilber wird verwendet, um die Goldpartikel vom Sediment zu trennen und wird dann verbrannt. Der Quecksilber-Dampf breitet sich über eine weite Fläche aus und gelangt in Ökosysteme und Nahrungsketten. Neben den katastrophalen Umweltauswirkungen hat die illegale Natur des Goldabbaus auch soziale Folgen: Menschenhandel, Kinderarbeit und Homizide sind alltäglich und wirklich bereichern tun sich wenige, skrupellose Menschen. Die Menschen, die in den Minen arbeiten, profitieren ebenfalls davon, denn der Lohn ist aufgrund der hohen Goldkosten sehr viel mehr als, was sie für andere Tätigkeiten bekommen würden. Die peruanische Regierung, abseits von ein paar ineffektiven Initiativen, schaut größtenteils weg, und ist durchdrungen von Korruption und Missmanagement.














Tag 6 – Wandern im Amazonas Regenwald


Bevor ich vom heutigen Tag erzähle, muss ich erstmal Fotos von der Regenwalddusche teilen – ein absolutes Highlight.

Heute machten wir unsere gemeinsame „Wanderung“ durch den Regenwald, genauer gesagt durch das geschützte Gebiet von der NGO, Alliance For A Sustainable Amazon, die von unserem Professor gegründet wurde. Jetzt ergibt auf einmal alles Sinn, insbesondere, warum wir in Rahmen eines Kurses an der Universität in Peru hierherfahren. Laut unserem Professor ist erstreckt sich hinter dem Gebiet, was noch zur Finca Las Piedras, bzw. zur NGO, gehört, endloser intakter Amazonas-Regenwald durch Bolivien und bis nach Brasilien. Da wir nur wenige Kilometer von der Carretera Transoceánica entfernt sind, liegt die Finca quasi am äußersten Rand dieses weiten Gebiets.





























Tag 7 – Noch mehr Regenwald und eine Nachtwanderung
Ich gebe zu, dass meine Titel nicht besonders einfallsreich sind, aber am Ende beschreiben sie sehr gut den Tag. Am Ende machen wir auch nichts anderes als durch den Wald laufen und die Natur um uns herum mit allen Sinnen wahrzunehmen. Keine Social Media, keine Serien – nur wir und die Natur um uns herum.
Unsere heutige Aufgabe ist nur, Spezies zu bestimmen und an unserem Aufgabenzetteln (Fragen zu unserer Feldarbeit vom vorherigem Tag) weiterzuarbeiten. Wann wir was machen war uns komplett freigestellt und so bin ich in einer kleinen Gruppe von vier Leuten morgens nach dem Frühstück erstmal wieder in den Wald.
Nach kurzer Zeit im Wald begegnen wir einer Gruppe von Äffchen, die um uns herum auf den Bäumen hin und her klettern und springen.




Rechts: manchmal ist es nicht einfach ein gutes Foto vom Insekt zu bekommen, um die Spezies zu bestimmen.












Mittags bleiben wir bei der Finca um unsere Hausaufgaben zu erledigen. Ich habe bis hierhin komplett vergessen wie heiß es mittags jeden Tag hier wird. Zusammen mit der hohen Luftfeuchtigkeit ist es sehr unangenehm. Das ist auch der Grund, warum wir morgens im Wald sind. Tatsächlich ist es aber die meiste Zeit des Jahres kühler.



Am Nachmittag kommt bei uns an der Finca noch eine kleine Gruppe Totenkopfäffchen vorbei, nur waren sie zu weit oben in den Bäumen im Gestrüpp, um sie mit meiner Kamera zu fotografieren.




Und wieder machen wir eine aufregende Nachtwanderung…











Tag 8 – Eine Klausur, Milben und Kamerafallen
Heute ist der große finale Tag: wir schreiben die Klausur. Direkt nach dem Frühstück werden die Tische geräumt und Stifte heraus gepackt. Dann haben wir drei Stunden Zeit, um Fragen zu beantworten. Die Klausur war zum Glück nicht sehr schwer und die Fragen sehr allgemein, sodass man sehr viel schreiben konnte, was einem so zum Thema einfällt. Es gab Fragen zur Biodiversität des Amazonas Regenwalds, Umweltprobleme und potenzielle Naturschutzmaßnahmen.

Nach der Klausur haben wir Kamera-Fallen ausgewertet, die zwei Wochen zuvor an den Pfaden in der Nähe der Finca angebracht wurden. Die Kamera-Fallen haben alles mögliche aufgezeichnet: kleine Nageltiere, Wildschweine, Rehe, große Vögel, Tapire und sogar ein Puma. Es war sehr aufregend, sich die Videos anzuschauen, da man nie wusste, was für ein Tier als nächsten kommen würde.





Danach müssen wir nochmal einen Aufgabenzettel mit Fragen zu den Ergebnissen der Kamera-Fallen ausfüllen. Am Abend bleibt dann noch kurz etwas Zeit für einen kleinen Spaziergang im Wald.



An diesem Tag merke ich zum ersten Mal einen starken Juckreiz im Bauch und Rücken. Voller Schreck stelle ich dann fest, dass mein Oberkörper mit ganz vielen roten Stichen überseht ist. Ich wurde wohl am Tag davor von Isango (Neotrombicula autumnalis) überfallen, eine Art Milbe, deren Larven im Wald darauf lauern, Tiere oder Menschen zu befallen. Es war zwar ungefährlich aber ziemlich ekelig und der Juckreiz, viel stärker als bei einfachen Mückenstichen, hat mehrere Tage angehalten.
Tag 9 – Zurück nach Lima
Heute ist schon wieder unser Abreisetag. Zunächst machen wir aber nochmal einen letzten Waldspaziergang vor dem Frühstück.

Der Amazonas Regenwald in dieser Region ist in mancher Hinsicht sehr anders als der, den ich in Ecuador besucht habe. Nicht nur ist hier kaum Wasser (in Ecuador war ich fast nur mit dem Boot unterwegs), sondern gibt es in diesem Gebiet auch sehr viele Paranussbäume, die von lokalen Arbeitern geerntet werden. Deswegen wird der Wald drumherum auch geschützt, da man die Bäume für die Paranussernte braucht. In den Fotos unten ist ein Beispiel für eine Landschaft, in der alle Bäume bis auf die Paranussbäume gefällt wurden. Die großen Bäume, die rausstechen, das sind Paranussbäume.









Am Ende heißt es wie immer Abschied nehmen. Wir werden nach Puerto Maldonado mit dem Wagen gebracht, wo wir dann den Flieger zurück nach Lima nehmen.






Es waren unglaubliche 9 Tage. Ich habe sehr viel über die verschieden Ökosysteme und Herausforderungen in Naturschutz in Soqtapata und Finca Las Piedras gelernt, vor allem aber auch sehr viele neue Speziesnamen auf Spanisch und Englisch. Und das tolle: Ich habe hiermit einfach schon einen Kurs an der Uni in Lima abgeschlossen. Jetzt muss ich nur meine anderen Kurse nachholen, die ich in dieser Woche verpasst habe…
Cuzco, Distrito de Cusco, Province of Cusco, Cusco, 08001, Peru
Soqtapata Conservation Concession, Camanti, Province of Quispicanchis, Cusco, Peru
la pampa, Inambari, Province of Tambopata, Madre de Dios, Peru
Las Piedras, Province of Tambopata, Madre de Dios, Peru


